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„Gottes Schöpfung ist vielfältig und reich“

03. April 2025

Mutter erzählt ihre queere (Glaubens-)Geschichte

 

Vechta, Lohne, Stapelfeld, 3.4.; Die Fachstelle für Pastorale Bildung und Begleitung und die Stapelfelder Heilig-Kreuz Gemeinde laden in ausgewählten Gottesdiensten Christinnen und Christen ein, ihre queeren Glaubensgeschichten zu erzählen und darüber ins Gespräch zu kommen.

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Christina Renner

Mutter erzählt ihre queere (Glaubens-)Geschichte

 Vechta, Lohne, Stapelfeld, 3.4.; Die Fachstelle für Pastorale Bildung und Begleitung und die Stapelfelder Heilig-Kreuz Gemeinde laden in ausgewählten Gottesdiensten Christinnen und Christen ein, ihre queeren Glaubensgeschichten zu erzählen und darüber ins Gespräch zu kommen.

Am vergangenen Sonntag, 30. März, ließ Christina Renner im Gottesdienst eine gebannt folgende Gemeinde daran teilhaben, wie ihr Kind Noah sie als Eltern auf den Weg zur eigenen Geschlechtszugehörigkeit mitgenommen hat. Musikalisch mitgestaltet wurde der Gottesdienst von einem Projektchor. Rund 80 Menschen waren der Einladung gefolgt, darunter die Gottesdienstgemeinde aus Stapelfeld, der Stammtisch „Christlich und Queer“ und Interessierte, die über die Medien eingeladen wurden.

Christina Renner ist gebürtige Iranerin. Als Kind flieht sie mit ihrer Familie nach Deutschland, studiert in Münster und lebt seit inzwischen mehr als 30 Jahren mit ihrem Mann in Lohne. „Wir haben zwei sehr tolle Kinder, die wir von ganzem Herzen lieben,“ macht sie deutlich. Die Chemikerin bezeichnet sich als römisch-katholisch, engagiert sich in der CDU und im Stadtrat. Im Gottesdienst spricht sie von ihrem zweiten Kind, Noah. Zum Studium habe es das Elternhaus verlassen. Die Eltern ringen bei Noah, wie auch schon beim ersten Kind, um die Intensität des Kontaktes. Beide sind davon überzeugt: „Die Kinder bestreiten selbst ihren eigenen Weg, gehen ihn voran. Als Eltern hofft man darauf, diesen Weg begleiten zu dürfen.“ Während des Studiums, während der Corona-Pandemie, hätten sie gemerkt, dass sich ihr Kind immer mehr zurückzieht. „Wir spürten, wie unser Kind mit sich ringt,“ wie es sich immer mehr Fragen stellt. „Wir konnten sehen, wie sich unser Kind auch immer mehr verändert,“ sagt sie. „Unser Kind hat mutig mit uns über die eigene Geschlechtszugehörigkeit gesprochen,“ erzählt Renner. „Wir haben unser Kind für seinen Mut bewundert!“

„Unser Kind, das als Tochter geboren wurde, ist Noah, nicht-binär, transmaskulin und das ist gut so!“, stellt sie fest. Im Evangelium des Gottesdienstes ging es um das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Renner bezieht sich darauf. Bei Noah sei es anders. „Unser Kind war uns nicht verloren. Es hat sich selbst gefunden. Es hat kein Vermögen verprasst. Es hat seinen Reichtum entdeckt.“

Ihnen als Eltern sei bewusst, dass es für ihr Kind jeden Tag zu ablehnenden Reaktionen von außen kommen kann. „Wir tun unser Bestes, um für Respekt und Toleranz zu werben“, berichtet sie. In vertrauten Runden spricht sie viel über Noah. Auch im Freundeskreis. Zum Schluss ihrer Geschichte, für die sie mit langanhaltendem Applaus bedacht wird, zitiert Renner ihre Mutter: „Der Liebe Gott liebt die wunderbare große Vielfalt: Wer sind wir, dies abzulehnen?“. 

Den Gottesdienst feierte Pfarrer Dr. Marc Röbel. Im Anschluss gab es Gelegenheit für Rückfragen und Gespräch. Eine Frau dankte ausdrücklich für die Offenheit. Ihr Sohn, der mit im Gottesdienst war, hätte Parallelen zu seinem Leben entdeckt. Die Referentin beantwortet weitere Fragen der Teilnehmenden. Fragen nach dem ersten Kind, nach der Mitgliedschaft in der Kirche und in der CDU.

Röbel dankte Christina Renner für den Mut, ihre Geschichte in dieser Öffentlichkeit zu erzählen. „Gottes Schöpfung ist reich und vielfältig,“ sagte er. Er habe hier auch persönlich bereits viel dazu gelernt und sei bereit weiter zu lernen. „Unsere Kirche bewegt sich im Themenfeld Christsein und queer in kleinen Schritten, aber sie bewegt sich doch,“ ergänzt er erfreut.

Die Gottesdienste sind ein gemeinsames Angebot der Kirchengemeinde Heilig-Kreuz und der Fachstelle für Pastorale Bildung und Begleitung. „Die Fachstelle setzt sich für eine kirchliche Kultur ein, in der Menschen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten willkommen und vor Diskriminierung geschützt sind“, erklärte Röbel, Leiter der Fachstelle, das Engagement. Dafür vernetze man Personen und Gruppen, die sich für LSBTIQ+ engagieren.

Auftrag der Fachstelle sei es, Ehrenamtliche zu begleiten und im Interesse der Pastoral vor Ort und in den Regionen zu unterstützen. „Wenn Sie Interesse haben, sich in Ihrer Pfarrei, in Ihrem Team, Gremium oder Ihrer Gruppe mit dem Thema Christlich und Queer auseinanderzusetzen sprechen sie uns bitte an“, betont Röbel auf der Homepage. Die Fachstelle vermittele dann Information und Beratung, oder passende Veranstaltungsformate.

https://www.ka-fachstelle.de/

Johannes Hörnemann